29.12.2015

Wie ich einmal Motörhead verpasste

Ich habe ein sehr eigenes Verhältnis zu Konzerten. Ich mag sie nicht. Warum? Wird jetzt der ein oder andere Musikenthusiast verzweifelt in seine Tastatur hacken wollen. Nun ja, Konzerte sind in meinen Augen zumeist langweilig, zu laut oder zu voll. Zudem sind viele Bands live das große Gegenteil von gut. Danke Phil Spector! Du ekelhafter Typ. Selbst Bands die ich mag halte ich nur notgedrungen ein komplettes Konzert durch. Man hört sich ja auch nur selten ein komplettes Album auf CD an. Die Popindustrie hat das Problem seit langem erkannt und verwandelt ihre Konzerte zunehmend in Events auf denen die Musik nahezu in den Hintergrund tritt. So kommt es das die Marketingmaschine unfassbare Ticketpreise sogar aus vollständig langweiligen Acts (Adele) herausholen kann. Es wird sich vielmehr darüber unterhalten wie die Show war oder wieviel Schamlippe Miley Cyrus nun gezeigt hat oder nicht. Die Popindustrie schafft moderne Musicals die ihrer Handlung beraubt wurden. Unterhaltung die jeder versteht. Aber auch im Independentbereich schaffen die wenigsten Bands ein musikalisches Kompendium welches in seiner Gänze das anhören lohnt. Das ist nicht schlimm oder traurig sondern hinweis auf eine natürliche Kreativproduktion. Diese Regel lässt sich auch auf andere Kreativbranchen übertragen (Filme, Bücher, und Serien). Es ist eben nicht alles gut was wir im Laufe unseres Lebens aus der Hirnmurmel saugen, nicht wahr George Lucas?. Schwamm drüber. 
Irgendwann nach der Jahrtausendwende kündigte sich eine Änderung im Kölner Ringfest (Popcom) an. Was zunächst als eine art Umsonstfestival begonnen hatte, sollte im kommendem Jahr in Richtung Rentabilität geführt werden und wurde im Kölner Boulevard als das letzte Festival seiner Art (in Köln) beworben. Die Popcom ging danach nach Berlin um zu versumpfen und den Kölnern blieb das Ringfest um eine Möglichkeit zu behalten auch im Sommer in Hauseingänge zu pinkeln. Hauptact waren damals, warum auch immer, Motörhead. Bereits Wochen vorher wurden wir darüber informiert, was die lauteste Band der Welt verglichen zu Presslufthämmern und startenden Düsenfliegern sei, dem Lautesten was die kindliche Vorstellungskraft zu bieten hat. Auch ich ließ mich zu einem Besuch überreden und stand schlussendlich, leicht angeschwippst, vor den hunderttausend die dies ebenso taten. Doch bereits weit von der Bühne entfernt wurde mir klar, dass egal was ich dort zu sehen bekäme, es war den Aufwand nicht wert sich unter fortlaufendem Körperkontakt durch die Menge zu quetschen. Ich verließ die Gegend und trank mehr Bier. Ich glaube nicht das mir Lemmy dies verübelt hätte. Nun ist er tot. Krebs. Irgendwie ganz anders als wir uns das ableben eines Alkoholikers vorstellen würden. Ohne Leberversagen etc. 
Wenn ich mich nun frage ob ich damals meine Abneigung gegen Menschenmassen hätte überwinden sollen, wozu ich durchaus in der Lage gewesen wäre, würde ich weiter verneinen. Musik ist etwas großartiges. Musik ist aber auch an Momente gebunden. an Emotionen, politische Stimmungen und an Lebensabschnitte. Musik, vor allem ihre Wahrnehmung ist relativ und vielleicht einer der wenigen Beweise für menschliche Individualität. In meinem leben war niemals Platz für Motörhead auch wenn das durchaus der Fall hätte sein können. Meine jetzige Freundin hat das Konzert damals besucht. Von ihr weis ich, dass dort A. verdammt viele gut aussehende Männer waren (was auch immer das bedeutet) und B. ein Obdachloser seinen Hund gequält hat. Beides Dinge die ich auch anderswo haben kann. Rest in Peace Lemmy.

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